Die blutigen Aprikosen von Malatya

von Wilfried Puhl-Schmidt

Malatya ist eine Stadt in der Türkei und bekannt als Zentrum des Aprikosenanbaus. Wer bei uns getrocknete Aprikosen kauft, kann sicher sein, dass sie in Malatya gewachsen sind sowie dort getrocknet und verpackt wurden. Seit dem 18.April 2007 jedoch weckt diese Stadt in mir und unzähligen Christen eine ganz andere und furchtbare Erinnerung. Wenn ich in den Früchteauslagen von Lebensmittelläden Aprikosen sehe, muss ich an die beiden zum Christentum konvertierten Necati Aydin und Ugur Yüksel sowie an den deutschen Theologen Tilmann Geske denken, die vor mittlerweile 9 Jahren in Malatya gefoltert und schließlich geschächtet wurden wie Tiere am Opferfest muslimischer Gläubiger.

Neun Jahre habe ich Unterschriften gesammelt, um bei der türkischen Botschaft und bei dem deutschen Außenministerium gegen das Verschleppen des Prozesses gegen 5 Mörder zu protestieren. Neun Jahre muss ich daran denken, dass 4 der 5 Mörder tiefgläubige Muslime waren, die vor der abscheulichen Tat zu ihrem Gott Allah gebetet haben. Dies sagten sie ausdrücklich bei ihrer Vernehmung und begründeten ihre Tat mit Hass auf christliche Missionare. Mohammeds Auftrag, jene zu töten, welche den Islam verlassen, hatte sie zudem beflügelt und gerechtfertigt. Wer die Berichte der Rechtsmedizin in Malatya gelesen hat, weiß, zu welchen abartigen Taten religionsbegründeter Auftrag und Hass befähigt.

Nach insgesamt 115 Verhandlungstagen im immer wieder unterbrochenen und aus taktischen Gründen verschleppten Prozess wurden die Haupttäter nun zu lebenslanger Haft verurteilt. In den letzten beiden Jahren sind sie mit elektronischen Fussfesseln frei herumgelaufen und konnten bis heute die Angehörigen ihrer Opfer verspotten. Wegen Fluchtgefahr sind sie nun in Haft. Die nächste Instanz wartet, da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Insgesamt waren 21 Verdächtige im Zusammenhang mit dem Verbrechen angeklagt worden. Teils wurden sie zu wenigen Jahren Haftstrafen verurteilt, teils freigesprochen. Die Hintermänner konnten nicht ermittelt werden. Die Angehörigen der Ermordeten sind entsetzt, daß man offensichtlich nicht intensiv genug nach ihnen fahndete.

Ich empfehle Ihnen einen Link, welcher über das Urteil informiert. Ich bitte Sie, insbesondere jene Bilder anzuschauen, auf welchen die Solidarität der Türken mit den Christen dokumentiert ist. Lesen Sie bitte die Übersetzung der vielen Protestplakate in ihren Händen, indem Sie immer wieder auf „weiter“ klicken.

Darüberhinaus empfehle ich die Lektüre der Presseerklärung der protestantischen Kirchen der Türkei (siehe Anhang).

Zu einem anderen Thema. Deutsche und wohl auch europäische Medien berichten nur negativ über Ungarn. Der Leser bekommt den Eindruck, als habe sich dieses Land mit Mauern und Zäunen gegen Flüchtlinge abgeschottet. Dass dadurch insbesondere der Flüchtlingsstrom nach Deutschland unterbrochen ist, wird nicht erwähnt. Wenn Frau Merkel und Herr Altmaier von weniger Flüchtlingen sprechen, die nach Deutschland einreisten, dann liegt dies nur an den ungarischen Zäunen. Eigentlich müsste Frau Merkel dem Herrn Orban als Wahlhelfer dankbar sein. Doch sie stellt ihn in die Ecke der Unmenschen und lässt Gutmenschen ihn anprangern.

Ich möchte jedoch dieses Thema hier nicht vertiefen. Vielmehr möchte ich zu einer sachlichen und eben nicht einseitigen Bewertung der Entscheidung der ungarischen Regierung beitragen. Daher empfehle ich die Lektüre des Artikels „Osteuropa: Letzte Barriere zwischen Christenheit und Islam“. In diesem Artikel werden Hintergründe und Zusammenhänge aufgelistet, nach deren Lektüre voreilige und politisch korrekte Verurteilungen dieses Landes einfach nicht haltbar sind.

den Originalartikel finden Sie auch unter www.schalom44.de

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