Pegida- mein neues Zuhause

Auf Heimaturlaub mit Thomas Böhm
(Fotos: J.M. Klein)

Die letzten Fetzen des Nebels ziehen über die Elbe, als ich aus meinem Zug aussteige und den Vorplatz vom Hauptbahnhof Dresden betrete. Ein Einheimischer hat mir den Weg zum Theaterplatz beschrieben, auf dem heute die große Pegida-Jubiläumsfeier zum zweijährigen Bestehen stattfinden soll: „Immer gerade aus und dann links.“

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Die Medien sehen das bekanntlich etwas anders, genauso wie der Typ, der mich auf seinem Fahrrad durch die Fußgängerzone begleitet. Er muss in seinen jungen Jahren mal gegen einen roten Flaggenmast gelaufen sein und dann die Orientierung verloren haben. Aus seinem Kofferradio erklingt das alte Kampflied „Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht…“, dann kurz vor dem Theaterplatz biegt er rechts ab und begrüßt mit geballter Faust ein paar blutleere Vampire, die sich aus Angst vor der Sonne von unten bis oben mit schwarzen Antifa-Burkas eingehüllt haben.

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Um mich herum dafür jetzt immer mehr munter schwatzende Menschen, die es in die gleiche Richtung zieht. Ganz normale Menschen aus der bürgerlichen Mitte. Familien mit Kindern, Rentner, Jugendliche die aufs Smartphone starren, Rollstuhlfahrer, Protestler mit Prosecco-Gläsern in der Hand, Menschen aus allen Teilen der Republik, vereint in der gewaltlosen Wut gegen eine bürgerfeindliche Politik.

Zwei adrett gekleidete Damen aus Köln laufen eine Weile neben mir her. Sie erzählen mir, warum sie die weite Anreise auf sich genommen haben. Es war die Lügenpresse, die sie dazu motiviert hat.

„Wir waren mal auf einer Pegida-Demo in Köln, eine tolle, friedliche Veranstaltung. Doch die Berichterstattung am nächsten Tag war voller Unwahrheiten und Falschmeldungen. Das hat uns so zornig gemacht, dass war seit diesem Tag nun jeden freien Montag nach Dresden reisen.“

Ein gutes Gefühl, dass die Systemschreiber genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich vorhaben.

„Zwei Jahre Hass und Hetze“ war eine der Schlagzeilen, die auch mich vor diesem Fest warnen sollten.

Beides habe ich nicht gefunden, zumindest nicht auf dem Theaterplatz, der schon vor Beginn der Veranstaltung prall gefüllt ist. Es sollten dann bis zu 10.000 Teilnehmer werden, bevor der erste Redner die Bühne betreten würde. Die offiziell gemeldeten Zahlen in der Presse zeugen davon, dass viele Journalisten nicht mal mehr bis drei zählen können.

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img_4551Vor und hinter der Bühne geht es noch hektisch zu. Seit Stunden schon ist das Orga-Team dabei, alles zu richten und mitten im Gewusel Siggi Däbritz, 41. Wie ein Fels in der Brandung steht er da, strahlt über das ganze Gesicht und dabei noch Ruhe aus. Immer ein Schmunzeln, der klare Blick über das Gelände, eine kurze Anweisung an die rund 80 Ordner, eine kleine Hilfestellung für das technische Personal.

„Mich kann so gut wie gar nichts mehr erschüttern,“ sagt der Security-Profi. „Mir sind schon früher als Türsteher algerische Äxte um die Ohren geflogen und ich erhalte fast jeden Tag Morddrohungen per Post, über Facebook oder per E-Mail. Ich schlafe trotzdem wie ein Murmeltier.“

Wenn es dann doch mal etwas stressig werden sollte, geht Siggi auf seinen Weinberg und lässt beim Lesen die Seele baumeln.

Von Anfang an ist die Stimmung bei Pegida ausgelassen und fröhlich, irgendwie fühle ich mich wie auf einem Helene Fischer-Konzert mit den Rolling Stones als Vorband.

Bevor Lutz Bachmann die Widerständler mit „Hallo Dresden“ begrüßen kann, ertönt der Chor der Freiheit mit der Anti-Nationalhymne „Merkel muss weg“. Dazu wehen bunte Fahnen, werden Plakate in die Höhe gestreckt mit Aufschriften wie „Suche Orban, biete Merkel“, oder „Habt Mut!“.

Wie alle anderen Redner haben sich Lutz und Siggi mächtig in Schale geschmissen.

„Die Anzüge hat uns eine Dresdner Firma zur Verfügung gestellt“, erklärt Siggi und zupft an seiner Krawatte. „Pegida hat viele klammheimliche Freunde, die aus politischen Gründen ihren Namen nicht nennen wollen, aber uns unterstützen, wo sie nur können.“

Zum Beispiel die Ordnungshüter. Sie bildet den festlichen Rahmen dieser Feierlichkeiten und werden dafür mit „1,2,3, danke Polizei“-Rufen bejubelt.

„Besonders die Polizisten, die aus den anderen Bundesländern nach Dresden beordert werden, sind immer wieder überrascht, wie friedlich und freundlich es hier abgeht.“

Polizei, dein Freund und Helfer. Heute passte dieser Spruch wie Faust aufs Auge, nur eben etwas friedlicher.

Tatsächlich sehe ich unter den Teilnehmern keinen einzigen extremistischen Spinner, keinen Aluhut und keinen Neonazi , dafür jede Menge Leute, die man beim Friseur, im Supermarkt, in einer Behörde oder beim Tierarzt trifft. Nachbarn, die sich ebenfalls Sorgen um die Zukunft dieses Landes machen und die mit ihrem Ärger über die unverantwortliche Regierung nicht mehr hinter dem Berg halten wollen.

„Eine wahrlich bunte Mischung“, sagt Siggi. „Das Herzstück von Pegida bilden rund 3000 Teilnehmer, die von Anfang an dabei sind und jeden Montag wiederkommen. Das sind natürlich überwiegend Sachsen. Aber jeder Montag ist anders, werden die Karten neu gemischt, beim Publikum und bei den Rednern. Für die wirklich Rechten sind wir doch alle zu weich und unser gelobtes christlich-jüdisches Abendland schmeckt denen ja auch nicht. Außerdem passen wir bei der Auswahl der Redner entsprechend auf, dass da keiner über unser politisches Ziel hinausschießt“, weiß Siggi.

Nachdem der alles andere als abwesende Lutz Bachmann, die Veranstaltung für eröffnet erklärt hat, muss er zu seinem und unserem Bedauern die Absagen von H.C.Strache und Björn Höcke verlesen. Sie sind wohl Opfer parteipolitischer Überlegungen geworden. Von Björn gibt es aber im Anschluss der Jubiläumsfeier eine tolle Solidaritätsbotschaft per Video, die von parteiinternen Seitenhieben nur so wimmelt.

Aber es geht natürlich auch ohne ihn. Als erster Redner schwebt Jürgen Elsässer auf die Bühne, gewohnt elegant, vielleicht etwas abgehoben. Aber seine Rede hat genügend Pfeffer, um der Regierung die Nasenschleimhäute zu verätzen.

Er spricht von der islamisch besetzten Zone Westdeutschland und seine Forderung „Wenn die Regierung das Volk austauschen will, muss das Volk die Regierung austauschen“ geht fast im Jubel der Pegida-Teilnehmer unter.

Eins ist schon mal klar: Diesen Teil der Bevölkerung, der heute, wie auch in all den Veranstaltungen der letzten zwei Jahre, hier auf dem Boden der Tatsachen Standfestigkeit beweist, wird keiner, auch nicht Frau Merkel, in irgendeiner Weise austauschen können. (Interessanterweise wurde der liebe Herr Elsässer später von der Qualitätspresse mit Herrn Wilders verwechselt)

Gewohnt souverän haut auch Michael Stürzenberger in die Tasten des Protestes. Er, der noch Bundesvorsitzender der Partei DIE FREIHEIT ist, macht sich stark für die AfD, dem parlamentarischen Arm der neuen Bürgerbewegung. Obwohl sich an diesem Tag der Goldene Oktober von seiner besten Seite zeigt und nur ein laues Lüftchen über den Theaterplatz zieht, spürt nicht nur er, dass sich der Wind in Deutschland gedreht hat. Dann zitiert er das AfD-Neumitglied Nicolaus Fest und sagt: „Wir haben die bessere Laune und die besseren Argumente!“ Und die prasseln dann auf die Teilnehmer ein. Zum Schluss seiner Rede erweitert er zur Begeisterung der Pegidianer noch den „Wegruf“ um eine ganz finstere Gestalt: Heiko Maas. Und so schallt es denn auch gleich aus vielen tausenden Kehlen „Maas muss weg“.

Wie weltoffen und bunt Pegida ist, zeigen die Redner aus England und Österreich und die Video-Botschaft von Vlaams Belang aus Belgien. Mit knallharten Statements bringen sie die Semperoper zum Wackeln und entlarven den Banner „für eine weltoffene Gesellschaft“, der den ehrwürdigen Palast der Künste verunziert, als billiges, gutmenschliches Gefasel und Wegweiser in eine düstere, islamische Zukunft.

Die Mutter des Widerstands, JouWatch-Autorin Renate Sandvoß, wird wie immer sehr persönlich, was den Teilnehmern die Herzen öffnet. Mit der großen Klappe einer Heidi Kabel und dem pfiffigen Charme einer Evelyn Hamann nimmt sie das Publikum mit und enttarnt mit konkreten Zahlen über den Asylwahnsinn Regierung und Medien als Lügner. Es ist gut für Pegida, dass sich hier eine mutige Frau auf die Bühne wagt, die das ins Brunnen gefallene Kind beim Namen nennt und keine Skrupel hat, den Verantwortlichen den entzückenden Stinkefinger zu zeigen.

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Den schärfsten Ton aber schlägt Götz Kubitschek an. Er brilliert in Wort und Ton und knöpft sich einen Vollpfosten nach dem anderen vor. Michael Jürgs verspottet er als miesen Schützen aus dem Hinterhalt, Herrn Laschet als selbstgefälligen Wessi, der die Ossis maßregeln will. Gut auch, dass es für ihn bei Pegida keine Obergrenze gibt.

Und immer wieder zwischendurch jede Menge Applaus und dann ein fetziges Video, dass die Highlights der letzten zwei Jahre präsentiert. Die Teilnehmer sind begeistert, auch weil alle Redner heute ihr Bestes gegeben, die Teilnehmer mitgerissen und mir das Gefühl gegeben zu haben, zu Hause zu sein und Heimat zu fühlen.

Auch Siggi ist glücklich und zufrieden:

„Jeder Montag hat sich gelohnt. Wir haben mit Pegida eine Kruste aufgebrochen, die Bürger interessieren sich wieder mehr für die Politik, das sieht man ja auch schon bei der erhöhten Wahlbeteiligung. Aber wir dürfen nicht locker lassen, denn jetzt werden sie wieder kleine Steuergeschenke verteilen, damit die Bürger wieder einschlafen. Doch wir passen auf und rütteln sie immer wieder wach. Mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl.“

Zum krönenden Abschluss erschallt dann noch die Nationalhymne und sie klingt ehrlicher, als an vielen anderen offiziellen Veranstaltungen. Fleißige Helfer verteilen massenhaft Flyer der Bürgerbewegung Pax Europa. Schließlich geht die Aufklärung auch nach Ende der Jubiliäumsfeier weiter.

Und ich fühle mich hier pudelwohl, obwohl Hunde bei Pegida verboten sind. Das war für mich ein Volksfest, das diesen Namen verdient hat.

Zugabe, Zugabe!!!