Studie: Islamische Religion als Grundlage islamistischer Radikalisierung

Unter der Leitung des Religionspädagogen Ednan Aslan und der Soziologin Evrim Ersan Akkilic haben Forscher der Universität Wien islamistische Radikalisierungsprozesse durch die Befragung inhaftierter Islamisten untersucht.

Eines der Ergebnisse ihrer Studie ist, dass eine pauschale Trennung zwischen der Religion des Islam und dem Phänomen des Islamismus nicht sinnvoll sei.
Islamisten seien in der Regel gläubige Muslime, die sich intensiv mit ihrer Religion auseinandergesetzt hätten und primär aus religiösen Motiven handeln würden.

Islamistische Radikalisierung sei zudem kein passiver Vorgang, der durch sozioökonomische Faktoren ausgelöst werde, sondern die Folge aktiver Auseinandersetzung mit den „Inhalten, Normen und Wertvorstellungen der islamischen Lehre“. Bei Islamisten würde es sich um gläubige Muslime handeln, die primär aus religiösen Motiven agieren würden:

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich die interviewten Personen in ihrem Radikalisierungsprozess aktiv mit Inhalten, Normen und Wertvorstellungen der islamischen Lehre auseinandersetzten. Diese intensive Auseinandersetzung mit theologischen Themen stellt bei vielen Befragten einen Wendepunkt in ihrem Leben dar, der mehrheitlich positiv bewertet wird. […] Die im gesellschaftlichen Diskurs herrschende Annahme, dass radikalisierte Personen mehrheitlich über eine geringe Kenntnis der Religion verfügen, hat sich in der Studie nicht bestätigt.

Die Autoren kritisieren insbesondere das Verhalten von Islamvertretern, die jegliche Islambezüge islamistischen Handelns leugnen würden.

Außerdem kritisieren die Autoren der Studie europäische Regierungen, die den politischen Islam primär als Problem der Sozialpolitik definieren und mit seinen Mitteln bekämpfen würden:
Es sei zudem Ausdruck einer verkürzten Bedrohungwahrnehmung, nur militante Islamisten als sicherheitspolitische Herausforderung wahrzunehmen.
Zwischen militanten und nicht-militanten Islamisten bestehe ein „theologisches Naheverhältnis“. Beide würden die Durchsetzung der gleichen utopischen Ideologie anstreben, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln.

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