IS zu Corona: Gute Zeit für Anschläge

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Die Sicherheitsbehörden sind wieder einmal in „Alarmbereitschaft“. Der Islamische Staat wolle die Corona-Krise für Anschläge in Europa nutzen, heißt es. Bei einer verängstigten bis panischen Gesellschaft und der bevorstehenden Wirtschaftskrise könnten sie mit ihren Plänen leichtes Spiel haben, so die Befürchtung. 

Noch Mitte März sei in der islamischen Wochenschrift „Al-Naba“ vor dem verseuchten Europa gewarnt worde, berichtet n-tv. Jetzt will man offenbar die Gunst der Stunde nutzen: Die „Kreuzfahrer-Nationen“, würden derzeit mit den „schlimmsten Albträumen“ konfrontiert sein, so die Mitteilung der IS-nahen Wochenschrift. Das Schwächeln des Westens sei ein guter Zeitpunkt für Anschläge „vergleichbar mit denen aus Paris, London, Brüssel und anderen Orten.“

„Das Chaos, das das Virus in den westlichen Ländern auslöst, wird vom IS als Chance für deren Kämpfer angesehen, ihr Ziel, also den Sturz der westlichen Zivilisation, zu beschleunigen“, erklärt Sicherheits- und Terrorberater Yan St-Pierre, Geschäftsführer der Mosecon Group, laut n-tv.

„Die regulären Mittel, wie selbst organisierte Anschläge mit einem Auto oder mit Waffen, reichen aus, weil die westliche Gesellschaft schon geschwächt ist“, so St-Pierre. Es gilt weiterhin das bekannte IS-Terrorziel „Chaos verbreiten“. Schwachstellen sollen ausgenutzt werden, um die Gesellschaft noch weiter zu schwächen und für die islamische Idee zu gewinnen.

Angesichts des mehr als sonst geforderten Sicherheitsapparates in Europa und der ängstlichen Bevölkerung steige das Risiko besonders für Attentate der sogenannten „Einzeltäter“. Die Wahrscheinlichkeit für eine große, gesteuerte Attacke sei gering „aber für Einzelakteure, damit meine ich nicht Lone-Wolfs, sondern Menschen, die Sympathie für die IS-Ideologie haben, wird die Corona-Krise der Auslöser sein, einen Anschlag zu verüben“ meint Terrorismusexperte St-Pierre. Er glaubt auch, dass der IS erneut Gebiete erobern wird, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Nachdem Deutschland und Großbritannien wegen der Corona-Epidemie Soldaten aus dem Irak abgezogen haben und auch die USA nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani an weniger Standorten als vorher präsent ist, scheint die Ausgangslage für den IS günstig. Die westlichen Mächte seien derzeit mit der „Sicherheit in ihrem eigenen Land beschäftigt“ beschäftigt, heißt es laut n-tv im“Al-Naba“-Newsletter.

„Die Lage in Syrien und im Irak bietet dem IS derzeit eine Möglichkeit, sich zu verstärken.“ Außerdem wolle man „die muslimischen Gefangenen in den Gefängnissen befreien“. „Der IS ist nach wie vor sehr gefährlich – und zwar weltweit“, weiß St-Pierre. „Die Anhänger sind da und zusätzlich eine starke Anziehungskraft, das nötige Geld und notwendige Strukturen. Das IS-Netzwerk ist immer noch stark genug, um eine Bedrohung für Europa zu sein“, so der Experte auf n-tv. (MS)