Ägypten: Christlicher Menschenrechtler Ramy Kamil bleibt in Haft

(Foto: Von BortN66/Shutterstock)

Die Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity Worldwite“ (CSW/ London) meldet, dass Ramy Kamil weitere 45 Tage in Haft bleiben muss. Das Urteil erging bereits am 4. Mai 2020. Die Anwälte Kamils, die bei der Urteilsverkündung nicht zugegen waren, legten Haftbeschwerde ein.

Bereits seit November 2019 ist der Menschenrechtler Ramy Kamil in Haft. Er sitzt im, für seine  Folter berüchtigten Tora-Gefämgnis in Kairo ein. Kamil setze sich für die massiv verfolgte Minderheit der Kopten in Ägypten ein.

Die internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) schreibt:

Ramy Kamil, geboren am 21. Juni 1986, ist ein bekannter ägyptischer Bürgerrechtler und Gründungsmitglied sowie Koordinator der Menschenrechtsgruppe „Maspero Youth Union“, die sich für die Verwirklichung des Rechts auf Religionsfreiheit von koptisch-othodoxen Minderheiten in Äqypten einsetzt. Etwa 90 Prozent der rund 97 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. Die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten bilden die größte Kirche. Ramy studierte Jura und ist von Beruf Schneider. Er versorgte mit seinem Einkommen seine gesamte Familie, die aus seiner Mutter und seinen zwei Schwestern sowie deren zwei Töchtern besteht

Kampftruppen der „Nationalen Sicherheitskräfte“ nahmen Kamil am 23. November 2019 in Haft.

Als Gründe für seine Verhaftung wurden “Beitritt und Finanzierung einer terroristischen Vereinigung”, “Störung des öffentlichen Friedens” und “Aufbringen seiner Mitbürger gegen den Staat” genannt. Bei seiner Festnahme wurde Ramy untersagt, seine Medikamente mitzunehmen sowie einen Anwalt zu sprechen. Zudem wurden sein Smartphone, sein Laptop, seine Kamera und einige seiner Bücher konfisziert. Ramy Kamil wurde nach seiner Verhaftung für mehr als 24 Stunden an einen unbekannten Ort gebracht. Während eines Verhörs im Anschluss an seine Verhaftung wurde Ramy physischem und psychischem Druck ausgesetzt. Seine Anwälte werfen den Sicherheitskräften vor, ihn gefoltert zu haben. Am 24. November 2019 tauchte er bei einem Verhör der Staatsanwaltschaft wieder auf und wurde am selben Tag in das Tora-Gefängnis verlegt, wo ihm Familienbesuche verweigert wurden. Am 2. Dezember 2019 wurde er von der obersten Staatsanwaltschaft in Kairo in Präventivhaft genommen.

In Ägypten kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen politisch aktiver Menschen.

Ramy Kamil gründete die Menschenrechtsorganisation “Maspero Youth Union” in der Folge des Massakers vom Masperoplatz im Oktober 2011. Ägyptische Soldaten töteten zwei Dutzend friedliche DemonstrantInnen, die gegen die Zerstörung einer Kirche in Oberägypten protestierten. Ramy setzt sich für die Gleichberechtigung der christlichen Minderheit in Ägypten sowie einen wirksameren Schutz derselben vor extremistischer Gewalt ein. Er begleitete im Herbst 2018 die UN-Sonderberichterstatterin Leilani Farha in Kairo und im Gouvernement Al-Minya zur Unterstützung durch Terror vertriebener Kopten. Ramy Kamil ist von den ägyptischen Behörden häufig schikaniert worden. Zwei Wochen vor seiner Verhaftung wurde Ramy zudem vom Geheimdienst angerufen und zu seiner Menschenrechtsarbeit befragt.

Quelle: IGFM