Islamisten zerhacken islamkritischen Blogger

Angreifer in der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka haben einen US-bangladeschischen Blogger zu Tode gehackt, dessen Schriften über Religion islamistische Hardliner verärgerte.
Avijit Roy, ein Atheist, der sich für Säkularismus einsetzte, wurde angegriffen, als er mit seiner Frau, die ebenfalls bei dem Angriff verletzt wurde, von einer Buchmesse zurück kehrte. Verhaftet wurde niemand, aber die Polizei sagt, sie ermittelt gegen eine lokale islamistische Gruppe, die den Mord befürwortet.

Hunderte von Menschen versammelten sich in Dhaka, um wegen des Todes des Bloggers zu trauern.
Die Familie von Avijit Roy sagte, er habe Drohungen erhalten, nachdem er in seinem bengalischsprachigen Blog Mukto-mona (Free Mind) Artikel veröffentlichte, die weltliche Ansichten, Wissenschaft und soziale Themen fördern.

In einem kürzlich veröffentlichten Facebook-Beitrag verteidigte er den Atheismus und nannte ihn ein „rationales Konzept, um sich jedem unwissenschaftlichen und irrationalen Glauben zu widersetzen“.
Seine Mukto-mona-Website am Freitag trug die Botschaft in Bengali „Wir trauern, aber wir werden überwinden“ vor einem schwarzen Hintergrund.
Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, beschrieb es als einen Angriff auf Bangladeschs stolze Tradition der freien intellektuellen und religiösen Rede.

Höhle der Militanten

Eine Gruppe von Männern überfiel das Paar, das in den USA lebt und Dhaka nur besuchte, um an einem Buchfestival teilzunehmen, als sie zu einer Teestube am Straßenrand gingen.
Mindestens zwei der Angreifer schlugen das Paar am Donnerstagabend mit Fleischerbeilen, teilte Polizeichef Sirajul Islam der Nachrichtenagentur AP mit.
Die Angreifer ließen ihre Waffen fallen, rannten davon und verschwanden in der Menge. Die Polizei teilte der BBC mit, sie untersuche eine lokale religiöse Gruppe, die den Mord in einer Online-Nachricht befürwortet habe.

Ajay Roy, der Vater des Toten, forderte die Behörden auf, die Mörder zu finden und „eine vorbildliche Bestrafung sicherzustellen“. „Dieses Bangladesch, das durch das Blutopfer der Märtyrer erbaut wurde, ist jetzt zu einer Höhle der Militanten geworden“, sagte er.

Studenten, Lehrer und Blogger versammelten sich am Freitag an der Dhaka University, um gegen den Mord zu protestieren.

Virus des Extremismus

In einem Artikel, der von April bis Mai 2015 in der Zeitschrift Free Inquiry veröffentlicht wurde, verglich Roy den religiösen Extremismus mit einem „hoch ansteckenden Virus“.
Er sagte, er habe letztes Jahr Drohungen von islamistischen Hardlinern in Bangladesch erhalten, als sein Buch „The Virus of Faith“  auf einer Buchmesse veröffentlicht wurde.
„Die Morddrohungen flossen regelmäßig in meinen E-Mail-Posteingang“, schreibt er. „Ich war plötzlich ein Ziel militanter Islamisten und Terroristen. Ein bekannter Extremist … hat mir durch seine zahlreichen Facebook-Einträge offen Morddrohungen ausgesprochen. „In einem weit verbreiteten Beitrag schreibt er: ‚Avijit Roy lebt in Amerika und so ist es derzeit nicht möglich, ihn zu töten. Aber er wird ermordet, wenn er zurückkommt.'“

Die Ermordung eines anderen säkularen Bloggers Anfang 2013, Ahmed Rajib Haider, der religiösen Hardlinern vorgeworfen wurde, löste Proteste von Befürwortern der Redefreiheit und Gegenproteste von Islamisten aus. Die Polizei sagt, der Angriff auf Herrn Roy sei dem Mord von 2013 ähnlich gewesen.

Avijit Roy
Gründung der Blog-Site „Mukto-Mona“ („Free Mind“) im Jahr 2000, um sich für säkulares und humanistisches Schreiben in Bangladesch mit muslimischer Mehrheit einzusetzen.
In Bangladesch geborener US-Bürger bei einem Besuch in Bangladesch, Ingenieur von Beruf, erhielt kürzlich Morddrohungen von islamistischen Radikalen für seine Schriften, sagt die Familie.
„Er war ein Denker, er war ein Mann mit großem Wissen, er war ein Wissenschaftler, er war ein Ingenieur“ – enger Freund und Professor der Universität Dhaka, Anwar Hossain.

Morddrohungen gegen atheistische Schriftsteller und Blogger sind in Bangladesch nichts Neues. Die bekannte Schriftstellerin Taslima Nasreen musste Bangladesch verlassen, nachdem sie Mitte der neunziger Jahre Morddrohungen von hartnäckigen Islamisten erhalten hatte. Sie schrieb in ihrem Blog: „Avijit Roy wurde so getötet, wie andere Autoren von Freidenkern in Bangladesch getötet wurden. Kein Freidenker ist in Bangladesch sicher.

„Islamische Terroristen können tun, was sie wollen. Sie können Menschen ohne Bedenken töten.“

Originalbericht in englische Sprache auf:  www.bbc.com