Oberster Gerichtshof Pakistans entlässt die Mörder von Daniel Pearl in die Freiheit

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat entschieden, dass vier Männer, die wegen Entführung und Ermordung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl verurteilt wurden, freigelassen werden müssen.

Pearl arbeitete 2002 als Chef des südasiatischen Büros des Wall Street Journal, als er in der südpakistanischen Stadt Karachi entführt wurde, während er über Richard Reid berichtete, den britischen Terroristen, der als „Schuhbomber“ bekannt wurde. Er wurde am 23. Januar 2002 in den Außenbezirken der Stadt Karatschi entführt. Seine Verschleppung erregte internationale Aufmerksamkeit, wenige Tage später sendeten seine Mörder den US-Behörden ein Video, das zeigt, wie sie dem amerikanisch-israelischen Journalisten den Kopf abschneiden. Es gilt laut CNN als eines der ersten Propagandavideos dieser Art und inspirierte andere islamische Terrorgruppen, ihre Gräueltaten auch auf diese Weise „unters Volk zu bringen“.

Noch im selben Jahr wurden vier Männer festgenommen und wegen Entführung und Mordes an Daniel Pearl verurteilt. Einer von ihnen, der britische Staatsbürger Ahmed Omar Saeed Sheikh, erhielt die Todesstrafe. Im April vergangenen Jahres untersuchte ein oberstes Gericht in der Provinz Sindh, in der sich Karachi befindet, den Fall erneut, nachdem bekannt wurde, dass die Ermittler keine rechtmäßigen Verhörverfahren durchgeführt hatten.
Unter Berufung auf unzureichende Beweise, Unstimmigkeiten in den Polizeiaufzeichnungen und angeblich erzwungener Geständnisse hob das Sindh High Court alle vier Verurteilungen wegen Mordes auf und kam zu dem Schluss, dass „der Staatsanwalt keine Beweise vorgelegt hat, um einen der Beschwerdeführer mit dem Mord an Pearl in Verbindung zu bringen“. Nur Sheikhs Verurteilung wegen Entführung bleibt bestehen, obwohl die damit verbundene siebenjährige Haftstrafe bedeutet, dass er auf freien Fuß gesetzt werden muß.
Das Gericht fügte hinzu, dass die Männer „irreparablen Schaden und extreme Vorurteile erlitten“ hätten, nachdem sie 18 Jahre hinter Gittern verbracht hatten, und befahl im Dezember, alle vier freizulassen.
Der Oberste Gerichtshof Pakistans bestätigte diese Entscheidung am Donnerstag und entschied gegen Berufungen sowohl der Familie Pearl als auch der pakistanischen Behörden.
Matt Murray, Chefredakteur des Wall Street Journal, beschrieb das Urteil als „ärgerlich und ungerecht“, ein Gefühl, das von der Biden-Administration und Perls Familie bestätigt wurde. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte am Donnerstag, die USA seien „empört“ über die Entscheidung, die sie als „Affront gegen Terroropfer überall, auch in Pakistan“ bezeichnete.

Pearls Vater, Judea Pearl, erklärte gegenüber CNN, dass die Familie angesichts der gerichtlichen Mehrheitsentscheidung, die er als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen den Journalismus, gegen den Kern unserer Zivilisation“ bezeichnete, „unter Schock und völligem Unglauben“ stehen. „Wir sind sehr schockiert und hoffen, dass Schritte unternommen werden, um diese Ungerechtigkeit zu korrigieren. “
Er forderte das US-Außenministerium und das Justizministerium auffordern, „einen Antrag auf Auslieferung von Omar [Saeed] Sheikh wegen dieses und anderer Verbrechen, die er gegen US-Bürger begangen hat, energisch zu verfolgen – und wir hoffen, dass das pakistanische Gericht und die Regierung positiv auf solche Anfragen reagieren wird. “

Die vier Männer, die sich nach dem Urteil des Gerichts noch in Haft befinden, wurden nach Angaben des pakistanischen Innenministeriums auf die Ausreisekontrollliste des Landes gesetzt, damit sie das Land nicht verlassen können.

Der Wall Street Journalist Daniel Pearl hinterließ eine Frau, die zur Zeit seiner Entführung mit ihrem ersten Kind im fünften Monat schwanger war. Daniel Pearl wurde nur 38 Jahre alt. (MS)