Nach Anschlag in Wien – „Radikalisierungs-Moschee“ wiedererföffnet

Österreich – Nach einer weiteren Festnahme im Fall des islamischen Anschlags vom vergangenen Herbst in Wien hat sich der Verdacht erhärtet, dass der 20-jährige Attentäter Teil eines Netzwerks war. Wahnwitziger Weise wurde jene Moschee, in welcher es sich radikalisiert haben soll, wiedereröffnet.

Am 2. November 2020 verübte der in Österreich geborene 20-jährige Kujtim F. einen islamischen Anschlag in Wien. Ging man bislang davon aus, dass der mazedonischstämmige Muslim allein den Terroranschlag verübte, bei welchem vier Personen getötet und 23 weitere teils schwer verletzt wurden, scheint es nun sicher, dass er Teil eines Netzwerkes war. Wie am Wochenende bekannt wurde, hatte die österreichische Spezialeinheit „Cobra“ Freitag früh einen 21 Jahre alten Österreicher mit ägyptischen Wurzeln festgenommen. Der mutmaßliche Komplize, er lebte wie der Attentäter von Sozialhilfe, wurde wie 20 weitere Verdächtige mittlerweile verhaftet.

Der beim Anschlag von der Polizei erschossene Kujtim F. soll laut deutschen Sicherheitsbehörden enge Verbindungen nach Deutschland gepflegt haben. Darunter zu einer islamischen Gruppierung und einer Gruppe, die im westfälischen Rheine Paintball-Spiele organisiert haben soll, um den Kampf gegen die „Ungläubigen“ zu trainieren.

Nach dem Anschlag wurden in Wien zwei radikalislamische Moscheen geschlossen, in denen der Täter verkehrte und die zu seiner Radikalisierung beigetragen haben sollen. Dabei handelt es sich um die 2016 von der IGGÖ eingerichtete Tewhid-Moschee in Meidling und die nicht der IGGÖ unterstehende Melit-Ibrahim-Moschee in Ottakring.

Wahnwitziger Weise wurde nun die Tewhid-Moschee wieder eröffnet. Das interne Schiedsgericht der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) beschloss laut dem ORF, der Gemeinde die Rechtspersönlichkeit zurückzugeben. Die behauptetet Gefahr im Verzug, die zur Entscheidung für die Schließung der Moschee geführt habe, habe nicht belegt werden können, so die Begründung.

Österreichs Kultusministerin Susanne Raab (ÖVP) indes bezeichnete die Entscheidung der IGGÖ gegenüber der „Presse“ als „absolut nicht nachvollziehbar und unverantwortlich“. Sie forderte die Glaubensgemeinschaft auf, „konsequent und mit aller Entschlossenheit gegen jede Form von Extremismus vorzugehen. Moscheen sind kein rechtsfreier Raum“, sagte die ÖVP-Politikerin der Nachrichtenagentur APA. Es zeige sich abermals, dass die geplanten Gesetzesverschärfungen bei der Extremismusprävention notwendig seien. (SB)