Machtübernahme der Taliban in Afghanistan – Frauenrechte weg – neue Ausbildungslager für Terror?

Es gehört keine große Phantasie dazu, um zu vermuten, was in Afghanistan passiert, wenn im Herbst die Truppen der USA Afghanistan komplett verlassen haben. Als Stichtag haben sich die Amerikaner bezeichnenderweise den 20. Jahrestag des bisher größten Terror-Anschlags des Politischen Islams am 11. September 2001 herausgesucht, der maßgeblich von Afghanistan aus geplant worden war.

Da die USA das weitaus größte Truppenkontingent in Afghanistan stellen, macht ein weiterer Verbleib auch für die NATO aus Sicherheitsaspekten heraus keinen Sinn mehr. In den nächsten Monaten sollen sich auch ihre Soldaten nach und nach zurückziehen.

Experten wie Simon Diggins, der ehemalige britische Militärattaché in Kabul, befürchten, dass ein Abzug den Taliban „grünes Licht für die Übernahme“ gibt. Die Allah-Krieger werden das entstehende Machtvakuum sofort ausnützen.

Dann dürfte aus Afghanistan wieder ein Islamischer Staat mit der strengen Scharia als Gesetzgebung werden. Frauen werden dann die wenigen Rechte, die sie unter der jetzigen Regierung mit Unterstützung der Alliierten bekommen haben, wieder verlieren. Lehrerinnen in Schulen werden dann sehr schnell der Vergangenheit angehören, denn die Taliban verbieten Frauen das Arbeiten. Mädchen dürfen die Schule dann auch nur noch bis zu ihrem 8. Lebensjahr besuchen. Bis dahin wird ihnen nur der Inhalt des Korans gelehrt.

Wikipedia hat dokumentiert, was die Taliban während ihrer Herrschaft den Frauen vorgeschrieben haben:

Ab dem Alter von acht Jahren dürfen Mädchen nicht mehr mit Männern in direktem Kontakt stehen, die nicht mit ihnen blutsverwandt oder angeheiratet sind.

Frauen dürfen nicht ohne einen männlichen Blutsverwandten und ohne Burka auf die Straße.

Sie dürfen keine Schuhe mit hohem Absatz tragen, damit kein Mann die Schritte einer Frau hören und dadurch erregt werden kann.

Sie dürfen in der Öffentlichkeit nicht laut sprechen, da kein Fremder die Stimme einer Frau hören soll.

Alle Fenster im Erdgeschoss und im ersten Stock sollen zugemalt oder abgeschirmt werden, damit Frauen in ihren Wohnungen von der Straße aus nicht gesehen werden können.

Das Fotografieren oder Filmen von Frauen ist strengstens verboten, ebenso das Zeigen von Bildern mit weiblichen Personen in Magazinen, Büchern, Zeitungen, Geschäften oder im eigenen Heim.

Frauen dürfen sich nicht auf der Terrasse oder dem Balkon ihrer Wohnung oder Hauses aufhalten.

Frauen dürfen nicht im Radio, TV und öffentlichen Versammlungen auftreten.

Sie dürfen keinen Nagellack auftragen und auch keine farbenfrohe Kleidung tragen, da dies als sexuell attraktiv angesehen wird.

Ein Erlass der Taliban aus dem Jahre 1996 lautete:

„Wenn sich Frauen mit modischer, geschmückter, enger und reizvoller Kleidung außer Haus zeigen, werden sie von der Islamischen Scharia verdammt und kommen niemals in den Himmel.“

Verboten ist Frauen auch das Fahren mit Fahrrad oder Motorrad. Sie dürfen ohne ihren Mann kein Taxi benutzen. Die Taliban hatten auch getrennte Busbetriebe eingeführt, damit sich Männer und Frauen nicht im selben Bus befinden.

Die gezwungene Zurückgezogenheit der Frauen löste während der Taliban-Herrschaft im Islamischen Emirat Afghanistan von 1996 bis 2001 oft Stress, Isolation und Depressionen aus. Eine Umfrage unter 160 Frauen ergab laut Wikipedia, dass 97 Prozent Symptome einer schweren Depression aufwiesen. 71 Prozent klagten über eine Verschlechterung ihres körperlichen Wohlbefindens.

Die Kabuler Schriftstellerin Latifa schrieb in ihrem Buch „Mein verbotenes Gesicht: Aufwachsen unter den Taliban“, das im März 2002 veröffentlicht wurde:

„Die Wohnung gleicht einem Gefängnis oder Krankenhaus. Die Stille lastet schwer auf uns allen. Da niemand von uns etwas macht, haben wir auch nichts, worüber wir reden können. Unfähig, unsere Gefühle preiszugeben, ziehen wir uns in unsere eigene Angst und Verzweiflung zurück. Da wir alle im gleichen schwarzen Loch sitzen, ist es sinnlos, immer und immer wieder zu wiederholen, dass wir nicht klar sehen können.“

Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte am 28.01.2002 eine Buchbesprechung:

„Diese Biografie der 21-jährigen Afghanin, die heute im Exil in Paris lebt, ist ein einfühlsamer Bericht einer Frau aus der Stadt, die durch den Einmarsch der Taliban aus einem modernen Leben in ein Gefängnis gerät. Die gemeinsam mit einer Journalistin geschriebene Lebensbeschreibung macht eindringlich deutlich, wie jäh sich das Leben eines modernen Teenagers unter der Gewaltherrschaft der Taliban veränderte.“

Dieses sowohl aufsehenerregende wie auch schockierende Buch wurde 2003 auf deutsch herausgebracht. Aus der Rezension des Kulturmagazins Perlentaucher:

„Zunächst wehrt sich Latifa gegen die von den Taliban erlassenen Vorschriften, doch ihr Entsetzen über die neue Unfreiheit weicht bald panischer Angst. Denn Prügelstrafen für kleinste Vergehen und öffentliche Demütigungen untermauern die rabiate Herrschaft der Taliban. Latifa kämpft gegen die überwältigenden Gefühle von Hilflosigkeit und Verzweiflung. Mutig gründet sie eine illegale Schule für junge Mädchen bei sich zu Hause. Bis sie vor der Unterdrückung in ihrer Heimat fliehen kann. Mit schmerzhafter Deutlichkeit beschreibt Latifa, wie ihre Welt zerstört wurde im Namen einer fanatischen Weltanschauung.“

Diese fanatische Weltanschauung ist der Politische Islam. Und der droht jetzt zurückzukehren, wenn die alliierten Truppen im Herbst aus Afghanistan abgezogen sind. Die Taliban werden alles dransetzen, die Macht wiederzubekommen und die Scharia in ihrem kompletten Umfang als geltendes Gesetz zu installieren.

Diese Taliban berufen sich, wie auch al-Qaida und der Islamische Staat, auf den Koran und den Propheten Mohammed. Der Begriff „Taliban“ kommt vom arabischen „Talib“ und bedeutet „Schüler“. Das Islamische Emirat Afghanistan, das die Taliban 1996 errichteten, wurde vom Mutterland des Islams, Saudi-Arabien, diplomatisch anerkannt. Außerdem vom Nachbarland, der Islamischen Republik Pakistan, und den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai, Abu Dhabi und Schardscha gehören. Der Emir von Schardscha finanzierte übrigens die Moschee von Imam Bajrambejamin Idriz im oberbayerischen Penzberg.

Wenn die Taliban ihr Herrschaftssystem errichtet haben, könnte es auch zum Wiederaufbau der Ausbildungslager kommen, in denen die Attentäter von 9/11 und anderen Terroranschlägen gedrillt wurden. Der Export von Terroristen in die westliche Welt könnte die nächste Folge sein. Auch Deutschland könnte dann hiervon in Form von Terror-Attentaten betroffen sein.

In den 20 Jahren, in denen die Alliierten in Afghanistan waren, wurde es versäumt, auf die Ausschaltung des Politischen Islams hinzuarbeiten. Man hätte eine ganze Generation junger Afghanen modern und mit demokratischer Gesinnung erziehen können. Bevor die Taliban das Leben in Afghanistan bestimmten, konnten junge Frauen in den 70er Jahren so in Kabul herumlaufen, was auch „Die Presse“ thematisierte:

Aber dieses große Problem des Politischen Islams wurde einfach ausgeklammert. So bekämpften die Alliierten immer nur Terror-Symptome an der Oberfläche, gingen aber nie die Problematik an ihrer Wurzel an: Den ideologischen Grundlagen im Politischen Islam.

Diese existentielle Bedrohung stellt sich in allen Ländern unserer Welt, in denen Moslems einen beträchtlichen Gesellschaftsanteil stellen und ihre fundamental orientierten Kräfte Zug um Zug an der Umwandlung der Gesellschaft in einen Islamischen Staat arbeiten.

Dies gilt es frühzeitig zu unterbinden. So, wie es die österreichische Regierung vormacht: Durch Verbot des Politischen Islams.