Liverpool-Bomber war Syrer und wollte Kathedrale in die Luft sprengen

Ein aufmerksamer Taxifahrer hat offenbar eine Katastrophe verhindert. Weil ihm sein Fahrgast komisch vorkam, sprang er aus seinem Fahrzeug und verriegelte die Türen. Wenig später flog das Auto vor dem Liverpool Women’s Hospital in die Luft und mit ihm der angeblich aus Syrien stammende abgelehnte Asylbewerber. Sein eigentliches Ziel war offenbar die anglikanische Kathedrale im Nordwesten der Stadt, in der der alljährliche Weltkriegsgedenktag zelebriert wurde. 

Wie die MailOnline berichtet, handelt es sich bei dem Selbstmordattentäter, der in dem Taxi starb, um den Konvertiten Enzo Almeni, 32, der vor einigen Jahren aus dem Irak nach Großbritannien gekommen war. „Unsere Ermittlungen dauern noch an, aber zum jetzigen Zeitpunkt glauben wir fest daran, dass es sich bei dem Verstorbenen um den 32-jährigen Emad Al Swealmeen handelt“, bestätigte ein Polizeisprecher. Almeni sei ein begeisterter Motorsportfan gewesen und habe seinen Namen zu Ehren des italienischen Supersportwagen-Schöpfers Enzo Ferrari geändert haben, heißt es.

Almeni soll den Taxifahrer, der bei der Explosion leicht verletzt wurde, ursprünglich gebeten haben, ihn zur Kathedrale zu fahren, aber Verkehrs- und Straßensperrungen hinderten ihn daran, dorthin zu gelangen. Das Taxi mitsamt Almeni explodierte vor dem Liverpool Women’s Hospital. 2017 war Almeni in der anglikanischen Kathedrale vom Islam zum Christentum konvertiert.

Almeni sei unter dem Namen Emad Jamil Al-Swealmeen als Sohn eines syrischen Vaters und einer irakischen Mutter geboren worden. Er soll einen Großteil seines Lebens im Irak verbracht haben, bevor er nach Großbritannien einwanderte. 2014 war sein Asylantrag abgelehnt worden. Weil er mit einem „großen Messer“ herumlief, soll er festgenommen worden sein und mehrere Monate wegen „psychischer Probleme“ in einem Krankenhaus verbracht haben.

In Großbritannien angekommen verbrachte Almeni die meiste Zeit in Liverpool, wo er von christlichen Freiwilligen aus einem Netzwerk von Kirchen unterstützt wurde, die Asylsuchenden helfen. Er verbrachte acht Monate bei den frommen Christen Malcolm und Elizabeth Hitchcott in ihrem Haus im Liverpooler Stadtteil Aigburth. Hitchcott, ein ehemaliger Soldat der britischen Armee, hatte Almeni nach eigenen Angaben 2015 durch seine Arbeit in der Kathedrale von Liverpool kennengelernt. Der Syrer habe Interesse am Christentum gezeigt und entsprechende Kurse besucht. 2014 sei sein Asylantrag wegen „psychischer Auffälligkeiten“ abgelehnt worden. Da Almeni mittellos war, nahmen die Hitchcocks ihn bei sich zu Hause auf.

Almeni konvertierte offiziell vor vier Jahren in der anglikanischen Kathedrale von Liverpool zum Christentum, die er vermutlich nun am Gedenksonntag angreifen wollte. In ihr hatten sich 1.200 Militärangehörige, Veteranen und Familien der Gefallenen versammelten, um die in ganz Großbritannien zelebrierte Schweigeminute um 11 Uhr abzuhalten. Sie erinnert jedes Jahr an den Moment im November 1918, als um 11.00 Uhr die Waffen nach dem Ersten Weltkrieg schwiegen. Die Gedenkveranstaltung in Liverpool war eine der größten in Großbritannien außerhalb Londons.

Ermittler und MI5-Agenten untersuchen nun, ob der Bombenanschlag islamisch motiviert war. Nach Polizeiangaben habe er „eine Zeit lang“ in einem Hostel für Asylbewerber gelebt, bevor er in seine als „Bombenfabrik“ bezeichnete Unterkunft zog. Im Zusammenhang mit dem Anschlag sind vier weitere Männer im Alter von 20, 21, 26 und 29 Jahren festgenommen worden. Alle befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Kriminalbeamten durchsuchen nun die „Bombenfabrik“. Acht nahe gelegene Häuser wurden evakuiert. Am Montag wurde als „Vorsichtsmaßnahme“ ein Gegenstand kontrolliert gesprengt, heißt es. (MS)