Funktionäre des türkischen Islamverbandes DITIB wünschen Israelis den Tod und verehren Faschisten

Der, aus der Türkei gesteuerte Islamverband DITIB gestaltet in mehreren Bundesländern den islamischen Religionsunterricht mit. Das fundamental-islamische Gedankengut der DITIB hielt damit Einzug an unsere Schulen.

In der Vergangenheit reihte sich bei der DITIB Skandal an Skandal.

2016 gab es eine Spionageaffäre. Imame der DITIB sollen Unterstützer und Sympathisanten der Gülen-Bewegung ausspioniert haben. Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan wurden offenbar reihenweise bespitzelt

Kinder in Militäruniformen, die symbolisch den Märtyrertod für die Türkei starben, erregten im Juni 2018 Aufsehen. In der umstrittenen DITIB-Moschee im ostwestfälischen Herford „spielten“ Kinder in Uniformen, mit dem Gewehr in der Hand, eine Schlacht nach. Am Ende starben sie den Märtyrertod. Das rief sogar die Grünen auf den Plan, die ein Ende der Kooperation mit der DITIB forderten. Unter anderem deshalb, weil Herford kein Einzelfall war. So bezeichneten die Grünen das Verhalten der DITIB als „Gift für die Integration.“

Im Januar 2019 traten in der DITIB-Zentralmoschee in Köln gleich 5 führende Köpfe der Muslimbruderschaft auf. Der Anlass war eine Islamkonferenz, bei der etwa 100 Teilnehmer zugegen waren. Die Muslimbruderschaft wird seit Jahren als verfassungsfeindlich eingestuft. Laut  Sicherheitsbehörden strebt diese Organisation, auch  in Deutschland, einen Gottesstaat nach islamischen Regeln an.

Im Mai 2021 unterschrieb die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW, unter dem damaligen Ministerpräsidenten und CDU-Vorsitzenden Armin Laschet, mit 6 islamischen Organisationen Verträge zur Zusammenarbeit. Darunter auch die umstrittene fundamental-islamische DITIB. Stolz verkündete die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): „Wir werden damit gemeinsam ein neues Kapitel für den islamischen Religionsunterricht aufschlagen.“

Rheinland-Pfalz gestand dem Islamverband DITIB Zeit zu, um sich zu reformieren, damit einer Zusammenarbeit mit der Landesregierung nichts mehr im Wege steht.

In Hessen hatte die Landesregierung Zweifel an der Unabhängigkeit der DITIB vom türkischen Staat und äußerte Bedenken bezüglich der Eignung des Islamverbandes den „bekenntnisorientierten  Religionsunterricht“ zu gestalten. Die Zusammenarbeit zwischen der hessischen Landesregierung und der DITIB wurde ausgesetzt. Dagegen zog die DITIB vor Gericht und siegte. Die Kooperation der DITIB mit der Landesregierung wurde fortgesetzt.

Was DITIB Funktionäre in den sozialen Netzwerken verbreiten, zeugt von einem Weltbild, welches den Grundsätzen einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und ihren Werten diametral entgegensteht

Die Göttinger Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen, veröffentlichte kürzlich einen Aufsatz über Beiträge niedersächsischer DITIB Funktionäre in den Social Medien. Die Welt dokumentierte ebenfalls brisante Posting führender DITIB Mitarbeiter.

Sie zeigen, dass die privaten Gedanken und Meinungsäußerungen vieler Ditib-Vertreter wenig mit den versöhnlichen Worten zu tun haben, die der Verband zu offiziellen Anlässen und in Pressemitteilungen wählt. Es sind Beiträge, die zeigen, dass das von der DITIB ausgegebene Ziel „Völkerverständigung und Toleranz“ für viele in den eigenen Reihen keine Rolle spielt.

So sollen DITIB Funktionäre „antisemitische, rassistische und geschichtsrevisionistische Aussagen getroffen haben“. Gleich mehrere Vertreter der DITIB fallen mit feindseligen, teilweise offen antisemitischen Äußerungen, gegenüber Israel negativ auf.

Als im Mai 2021 der Konflikt zwischen Israel und „Palästinensern“ wieder ausbrach, versuchte sich die DITIB als Vermittler zu präsentieren.

„Antisemitismus und antisemitische Narrative (…) haben in unseren Reihen keinen Platz“, erklärte die Pressestelle zu einem Zeitpunkt, als viele Ditib-Funktionäre längst begonnen hatten, in den sozialen Medien heftig gegen Israel zu agitieren.

Schöne Worte, welche die Gutgläubigen einlullen sollen. Die Realität der DITIB Verantwortlichen ist eine andere.

Ali Parlayan, Vorstand der DITIB-Gemeinde in Nürnberg teile ein Video, welches mit folgenden Worten untertitelt war.„Möge dein Stamm ausgetrocknet werden, Israel. Möge Gott euch vernichten und im Höllenfeuer verbrennen. Möge Gott uns das noch in unserem Leben erleben lassen“ Zudem verbreitete er klar antisemitische Karikaturen im Netz. Eine Anfrage zu den Postings ließ die DITIB Gemeinde in Nürnberg unbeantwortet.

Mehmet Azal, Vorstand des DITIB-Landesverbands Südbayern, forderte anlässlich des Konfliktes im Nahem Osten auf seiner Facebook-Seite, ein gemeinsames Vorgehen islamischer Länder gegen Israel.

„um das Problem zu lösen und diese Besatzungsbewegung zu beenden“. Kritische Worte, das machte Azal deutlich, würden nicht reichen: „Leider gibt es in der islamischen Welt nur von der Türkei eine Reaktion auf die seit Jahren andauernde israelische Unterdrückung – und sie geht über eine Verurteilung nicht hinaus.“

Der Abteilungsleiter eines der DITIB zugehörenden Verlags hetzte im Mai 2021 öffentlich gegen Israel.

Er beklagte eine „unmenschliche Apartheidpolitik Israels“ und warf dem jüdischen Staat eine „jahrzehntelang andauernde Besatzung, brutale Enteignung (…), unmenschliche Diskriminierungen“, „rassistische Gesetze“ und „zionistische Angriffe, Schikanen und Provokationen“ gegen Palästinenser vor.

DITIB Mitarbeiter relativierten den Terror der islamistischen Terrororganisation Hamas. So schrieb ein Mitarbeiter: „Man kann die Raketenangriffe der Hamas verurteilen, aber diese mit der Apartheidpolitik Israels gleichzusetzen, entbehrt jeglicher Vernunft und Tugend“.

Auch in diesen Fall hielt die DITIB es nicht für nötig, eine Anfrage zu diesen skandalösen Äußerungen zu beantworten.

In der Vergangenheit hatte die DITIB stets eine Aufklärung der Vorfälle angekündigt, wenn wieder einmal volksverhetzende und antisemitische Äußerungen führender Vertreter der Organisation ans Licht gekommen waren.

„Immer wenn nationalistische oder antisemitische Hasstiraden zufällig durch Journalisten öffentlich gemacht werden, distanziert sich DITIB von solchen Aussagen ihres Personals und tut diese als Einzelfälle ab“, sagt Eren Güvercin, Mitgründer der muslimischen Alhambra-Gesellschaft. Er hält solche Aussagen für wenig glaubhaft. Schaut man sich die Lippenbekenntnisse der DITIB genauer an, fällt ins Auge, „dass diese Personen über Jahre immer wieder mit antisemitischen und demokratiefeindlichen Aussagen aufgefallen sind, ohne dass von DITIB eingeschritten wurde“.

Der südbayerische Funktionär und Erdogan-Anhänger Azal, hetzt gegen Kurden und nimmt den Präsidenten der obersten türkischen Religionsbehörde, Ali Erbas gegen Homophobie-Vorwürfe in Schutz.

Erbas hatte in einer Predigt im April 2020 gesagt, der Islam zähle „Unzucht zu einer der größten Sünden, er verdammt die Homosexualität.“ Homosexualität führe zu Krankheiten und lasse „Generationen verrotten“. Azal teilte einen Beitrag, in dem Mitglieder des Juristenverbandes Ankara Bar Association, die Erbas‘ Aussagen kritisiert hatten, als „Feinde der Nation“ bezeichnet wurden.

Hasan Aslan, Vorsitzender des DITIB-Landesverbands Nordbayern, leugnet öffentlich den Genozid an den Armeniern.

Zum Jahrestag der Deportation der armenischen Elite am 24. April 1915 schrieb Aslan auf Türkisch: „Wir verurteilen die Vereinigten Staaten von Amerika aufs Schärfste, die jedes Jahr versuchen, unsere ehrenwerte und geschätzte Nation mit der Lüge des sogenannten armenischen Völkermordes zu diffamieren.“ Aussagen, die auf den Völkermord hinweisen, seien „mit Bündnis und Freundschaft unvereinbar“.

Die DITIB leugnet bis heute den Völkermord an den Armeniern. Der gängige Konsens lautet: „Einen osmanischen Genozid an der armenischen Bevölkerung habe es nicht gegeben.“

In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2015 sprach DITIB offiziell von „traurigen Ereignissen während des Ersten Weltkriegs“, nur um dann festzustellen, dass eine Verwendung des „Begriffes ‚Völkermord‘ in Form einer einseitigen Schuldzuweisung“ nicht zutreffend sei. Historiker sind derweil überzeugt, dass bei dem Völkermord bis zu 1,5 Millionen Menschen zu Tode kamen.

Etliche DITIB -Funktionäre stehen offenbar den türkischen Grauen Wölfen nahe. Die größte rechtsextremistische Gruppierung in Deutschland.

Erkan Kahveci, Landesvorsitzender im Saarland, besuchte das Grab des Gründers der Grauen Wölfe, des faschistischen Politikers Alparslan Türkes. Er veröffentlichte ein Foto, vom Besuch der Grabstätte das er mit folgendem Text versah. „Ich bitte um Gottes Gnade, möge dein Platz im Himmel sein“. Die rechtsradikalen Grauen Wölfe sollen für Hunderte Morde an Akademikern und Linken in der Türkei verantwortlich sein. Selbst in Deutschland verübten die rechtsradikalen Extremisten in den achtziger Jahren einen Mord und einen Mordversuch. „Die Anhänger Türkes‘ eint ein nationalistisches, antisemitisches und kundenfeindliches Weltbild.“

Volker Beck von den Grünen befürchtet, dass diese Ideologie zukünftig über die Schulen in die deutsche Gesellschaft einsickert. Er hält die Zusammenarbeit der Landesregierungen  mit der DITIB für hochproblematisch.

„Wer mit der DITIB kooperiert, hat den Antisemitismus und türkischen Nationalismus mit am Tisch“, sagt Beck. „Wer glaubt, dass das anders wird, wie Malu Dreyer oder Armin Laschet, lässt sich täuschen oder will getäuscht werden.“

In NRW war die Beteiligung der DITIB im Beirat für die Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts 2017 ausgesetzt worden, nachdem die Spionagevorwürfe bekannt geworden waren. Die DITIB nahm einige, rein kosmetische Satzungsänderungen vor, und sitzt seitdem wieder in der neu gegründeten Kommission mit am Tisch. „Experten wie der Soziologe Rauf Ceylon äußern jedoch Zweifel an der vermeintlichen Loslösung von Ankara.“

In internen Gesprächen mit Vertretern des Schulministeriums hatte der Religionsverband 2018 eine „kooperative personelle Besetzung“ versichert, wie aus einem Protokoll hervorgeht. Auch zeigt das Dokument: Der Landesregierung ist durchaus bekannt, welche Positionen einzelne DITIB-Funktionäre vertreten. So heißt es, DITIB habe zugesagt, „ihre Kommunikation zukünftig zu optimieren und habe sich „von kompetenzüberschreitenden Äußerungen“ eines DITIB-Vertreters distanziert, „die beim Schulministerium für erhebliche Irritationen bezüglich der Zusammenarbeit mit DITIB gesorgt haben“.

Die Leitung der Kommission übernahm eine Frau, die bisher kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Offensichtlich ist die DITIB bemüht Negativschlagzeilen tunlichst zu vermeiden.

Was der Politikwissenschaftler Marvin Hild in Niedersachsen aufgedeckt hat, dürfte der DITIB gar nicht schmecken. Hild untersuchte Dutzende Facebook-Profile von DITIB-Vertretern und förderte höchst bedenkliche Fälle von Antisemitismus zutage.

Yunus Yazici Beisitzer im Vorstand des DITIB-Ortsverbands Hannover, kommentierter ein Video über den Nahost Konflikt mit den Worten: „Ihr verfluchten Israelis, möget ihr in der Hölle schmoren. Ich verfluche euch und Hitler, dass er euch nicht ausgerottet hat.“

Die DITIB Niedersachsen reagierte mit einem wortreichen Statement auf die Vorwürfe.

Auf eine Anfrage zu den Vorwürfen reagierte die DITIB Niedersachsen mit einem umfassenden Statement. Yazici sei kein aktives Mitglied des Vorstandes mehr. Man begrüße, „dass sich Göttinger Wissenschaftler des Instituts für Demokratieforschung, die Mühe gemacht haben, die Inhalte der Facebook-Profile von über 2000 aktiven Ehrenamtlern seit mindestens 2014 zu durchforsten“. Gleichzeitig hoffe man, „dass dieses Engagement genauso effizient eingesetzt wird, wenn es um Angriffe im Bereich des anti-muslimischen Rassismus geht“. Erst kürzlich sei die Hannoveraner Gemeinde wieder Ziel eines Angriffs geworden.Weiter erklärte die Sprecherin: „Wir bemühen uns den ständigen und erstarkenden Provokationen und Diffamierungen gegenüber unserer Community entgegenzuwirken, arbeiten aktiv gegen Antisemitismus und setzen uns für ein friedliches Zusammenleben ein, das geprägt von gegenseitigem Respekt ist.“

Experte Güvercin fordert DITIB auf endlich aktiv zu werden. „Was wir brauchen sind keine öffentlichen Distanzierungen, wenn diese Aussagen öffentlich bekannt werden, sondern Antisemitismus, Nationalismus und antidemokratische Haltungen innerhalb der eigenen Community müssen auch als solche benannt und in den eigenen Gemeinden und Freitagspredigten thematisiert werden.“

Ulrike Braukmann

Quelle: Welt